Wie geht es Hartz IV-Familien?

Für 2007 wird ein wirtschaftlicher Aufschwung erwartet. Wie sich dieser auf die Erwerbslosenzahlen auswirken wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass die Armut in Deutschland heute unübersehbar ist. Viel zu viele Familien leben am Existenzminimum. Wie schaffen sie das?

Das Bundessozialgericht hatte letztes Jahr entschieden: Hartz IV ist nicht verfassungswidrig. Der Regelsatz in Höhe von 345 Euro entspricht dem Existenzminimum, das der Staat sichern muss.
Doch wer das Arbeitslosengeld II erhält – besonders betroffene Familien – kann über diese Entscheidung nur lachen.

Langzeitarbeitslosen stehen die Kosten für Unterkunft und Heizung zu, sowie der Regelsatz von 345 Euro. Die Süddeutsche Zeitung hat nachgerechnet: Das sind beispielsweise 3,69 für Nahrungsmittel am Tag, 60 Cent für öffentliche Verkehrsmittel und 0,05 Euro für Kinderschuhe. Die Berechnung erfolgte dabei auf Grundlage veralteter Kosten und Preise. Bei der Berechnung des Regelsatzes wurden etliche Posten aus dem Warenkorb genommen, die ansonsten für die Berechnung des Existenzminimums vorgesehen sind. Weder erfolgte ein Inflationsausgleich, noch ist eine Anpassung an die erhöhte Mehrwertsteuer geplant. Zusatzleistungen gibt es anders als bei der früheren Sozialhilfe nicht. Lediglich Einmalleistungen für Klassenfahrten und für Babykleidung sind vorgesehen.

Zoobesuche, Kino, Zirkus, die kleinen Extras, die Kinder erfreuen – all dies ist bei Hartz-IV nicht eingeplant. Wer heute für längere Zeit keine Arbeit hat, ist nicht etwa knapp bei Kasse, sondern regelrecht arm. Jeder Cent muss umgedreht werden. Besonders infam empfinden Arbeitslose, dass sie in der Öffentlichkeit immer wieder als Leistungsbetrüger dargestellt werden. Aus purer Stimmungsmache ist schon mal von bis zu 20% Leistungsbetrügern die Rede. Dabei liegt die Missbrauchsqoute bei Sozialleistungen nach empirischen Befunden seit Jahren bei etwa 2-3%.

Vielleicht wäre die gesellschaftliche Diskriminierung noch zu verschmerzen, würde es in der Realität nicht sogar am Lebensnotwendigem mangeln. Fast jedes zweite Kind aus Familien mit geringem Einkommen geht morgens ohne Frühstück in die Schule, was zu Konzentrationsschwierigkeiten und Leistungsschwäche führt. Auch sind mit dem per Regelsatz vorgesehenem Betrag keine vollwertigen und abwechslungsreichen Mahlzeiten ohne weiteres möglich, womöglich sparen manche Eltern auch am falschen Ende, denn es gilt den Mangel zu verwalten, einfach über die Runden zu kommen, so bald wie möglich einen Job zu finden.

Vielen gelingt dies, doch nicht immer reicht das Gehalt für den Lebensunterhalt der Familie. Viele Arbeiten sind schlichtweg unterbezahlt. Da dem arbeitslosem Ehepartner zudem in der Regel keine Leistungen mehr zu stehen, bleibt trotz Arbeit nicht viel über.

Besonders schwierig haben es laut dem „Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung“ Alleinerziehende. Während Paaren ohne Kindern der Sprung aus der Arbeitslosigkeit am schnellsten gelingt, bleiben Alleinerziehende bislang am längsten von Hartz IV abhängig.

Hoffen wir also auf den wirtschaftlichen Aufschwung, auf nachhaltige Veränderungen!

Artikel von http://www.kinder.de

30.1.07 22:20

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